Dieser Beitrag soll die Diskussion der Heftbesprechungen im Digedags-Forum unterstützen. Zitate aus: verschiedenen Quellen des www, sowie Mosaik von Hannes Hegen, Nr. 35. Hier geht es zur Hauptseite: www.mosafilm.de


Aus der Geschichte des Menschenfluges
Neos-Flugtag, Oktober 1959 (Startnummer 9: Hermann Ganswindt)

Startnummer 9: ... und der Deutsche Ganswindt, dessen Modell einem Hubschrauber ähnelte

Startnummer 9:
... und der Deutsche Ganswindt, dessen Modell einem Hubschrauber ähnelte.


Hermann Ganswindt wird , wie nachfolgende Abschnitte zeigen, vor allem wegen der Entdeckung des Rückstoßprinzips gewürdigt. Literatur- und Bildquellen zu seinem Hebeluftschraubenflugzeug werden von mir dankend entgegengenommen.

Im Juli 1901 stieg Ganswindts Hubschrauber in Schöneberg erstmals auf, er war damit das erste Motorflugzeug überhaupt in der Geschichte der Menschheit.

www.scheinschlagonline.de und www.taz.de:

Zu Hermann Ganswindt, dessen Erfindungen und Verhaftung seinerzeit für viel Aufsehen sorgten, gibt es noch Interessantes zu berichten. Er kam aus Ostpreußen, schon als Junge erfand er den Freilauf, den er „Gesperre" nannte. Er wurde am 12. Juni 1856 zu Voigtshof bei Seeburg geboren und entstammte einer angesehenen Familie. Sein Vater besaß ein großes Mühlenetablissement, in dem er gleichzeitig eine Werkstatt für technische Versuche unterhielt. Der Werdegang scheint dann nur folgerichtig, schon als Gymnasiast äußerte sich Ganswindt zur Raumfahrt und entwarf eine von ihm „Weltenfahrzeug" genannte Rakete, studierte Physik und hielt bereits 1881 einen Vortrag über sein Raumfahrzeug.
Ab 1884 plante er seinen Hubschrauber, der die Rakete in die oberen Luftschichten schleppen sollte, und baute 1888 bis 1890 ein eisernes Modell. In Berlin machte er zum ersten Mal 1888 von sich reden, als er in der Philharmonie eine Reihe von Vorträgen über seine Erfindungen hielt und ein kleines Modell seiner Flugmaschine vorführte, das dann auf Jahrmärkten als Kinderspielzeug unter der Bezeichnung „fliegender Maikäfer" bekannt wurde. Doch er war seiner Zeit zu weit voraus, trotz eines positiven Gutachtens von General von Schlieffen konnte sich der Erfinder mit seinen Projekten nicht durchsetzen und geriet in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
1891 lernte er im Alter von 35 Jahren in wenigen Monaten Klavier und reiste mit seinem „Klavierconcert und Experimental-Vortrag über Luftschiffahrt" übers Land. Chopin-Etüden wechselten sich mit der Vorführung seines Hubschraubermodells ab, und Ganswindt glaubte, auf diese Art alle Zweifel an seiner Seriosität zu zerstreuen. Von den Einkünften wurde in Schöneberg ein Grundstück gepachtet, das bei einer Mark Eintritt viele Neugierige anzog. Ein See als Badeanstalt und eine Radfahrbahn um diesen herum sollten ihm Nebeneinnahmen schaffen. Mit einem der Konkurrenz überlegenen Fahrrad mit Freigang und Drahtachsenlager schien sich dann endlich auch der geschäftliche Erfolg einzustellen.
Das lenkbare Luftschiff beschrieb Ganswindt als erster in seiner physikalischen Funktionsweise. Für seine Rakete mit Rückstoßantrieb legte er bereits das später verwirklichte Zwei-Stufen-Prinzip fest. Er schlug vor, die Schwerelosigkeit durch Fliehkraft zu simulieren, auch daß die Zeit als die vierte Dimension aufzufassen sei, war ihm klar. Den Hubschrauber hat er erfunden und dafür das gekrümmte Flügelprofil, selbst eine kleine Hilfsluftschraube an seinem Helikopter hatte er geplant, die das Reaktionsmoment der Tragschraube ausgleichen sollte.
Im Juli 1901 stieg Ganswindts Hubschrauber in Schöneberg erstmals auf, er war damit das erste Motorflugzeug überhaupt in der Geschichte der Menschheit. Ein inzwischen leider verschollener Film darüber von den Gebrüdern Skladanowsky wurde am 5. November 1901 im Wintergarten gezeigt. Der Hubschrauber war zwar an einem Draht gesichert, erhob sich aber aus eigener Kraft einige Sekunden mit zwei Personen im Korb. Die Auslaufbewegungen der Luftschraube ließen den Apparat wieder sanft zur Erde sinken.
Doch dann nahte das Verhängnis: Am 17. April 1902 wird Hermann Ganswindt durch Beschluß des Untersuchungrichters beim Königlichen Landgericht II wegen Verdachtes fortgesetzten Betruges verhaftet und am nächsten Tag in das Untersuchungsgefängnis Moabit überführt. Die Ausstellungsetablissements am Mariendorfer Weg werden polizeilich geschlossen und das gesamte Inventar versiegelt. Über das Vermögen der Firma Ganswindts wird der Konkurs eröffnet.
Am Vormittag des 19. April werden seine beschlagnahmten Geschäftsbücher von Schöneberg nach Moabit geschafft. In der Vernehmung durch den Untersuchungsleiter, Landrichter Reuter, bestreitet Ganswindt, sich irgendwelcher strafbaren Handlungen schuldig gemacht zu haben. Als er am 12. Juni nach acht Wochen Haft entlassen wird, ist sein Lebenswerk ruiniert und trotz erwiesener Unschuld wird ihm keine Gerechtigkeit zuteil.

www.tamane.de

Hermann Ganswindts Selbstversuch
Ein Junge dümpelt in einem Boot. Er hat Ziegelsteine dabei. Der Junge heißt Hermann Ganswindt, und wir schreiben das Jahr 1870. Es handelt sich um ein physikalisches System aus zwei Teilen:

  1. Ganswindt, das Boot und die Ziegelsteine, die im Boot bleiben. (Masse: 100 kg, Geschwindigkeit: 0 m/s)
  2. Der Ziegelstein, den Ganswindt als Nächstes werfen wird. (Masse 5 kg, Geschwindigkeit: 0 m/s)

Der Gesamtimpuls des System beträgt 0 kg m / s.
Nun wirft Ganswindt den Ziegelstein mit einer Geschwindigkeit von 10 m/s hinten aus dem Boot. Damit hat der Stein einen Impuls von 50 kg m/s (nach hinten). Damit der Gesamtimpuls erhalten - also Null - bleibt, bewegt sich das Boot nach dem Wurf mit einer Geschwindigkeit von 0,5 m/s nach vorne.
Der dreizehnjährige Ganswindt ist begeistert: Es funktioniert! Mit jedem herausgeworfenen Stein wird das Boot schneller. Aber wo ist die Grenze? Welche Geschwindigkeit kann man mit dieser Methode erreichen? Die Antwort gibt die Oberth´sche Raketenformel.
Für Ganswindt ist auf jeden Fall eines klar: Nur das Rückstoßprinzip erlaubt einen Antrieb im luftleeren Raum.

Das Weltenfahrzeug: ein fliegendes Maschinengewehr
Für Hermann Ganswindt war es klar: Nur das Rückstoßprinzip kann im Weltraum funktionieren. Er nahm dabei seine Erfahrungen mit dem Rückstoß, der beim Abschuss eines Gewehrs auftritt, sehr wörtlich: "Man kann nämlich nach diesem Gesetz einen Gegenstand dadurch schwebend erhalten, dass man von ihm Gegenstände nach unten schleudert, dieselben also aus der Ruhe plötzlich in senkrechter Richtung in außerordentlicher Geschwindigkeit fortstößt." So stellte sich Ganswindt sein Weltenfahrzeug vor.
 Diese Vorstellung nahm Ganswindt wörtlich und schlug ein Fahrzeug vor, das einen Vorrat von Kugeln mit sich führen und diese mit Hilfe von Dynamitpatronen im Dauerfeuer nach unten bzw. hinten schießen sollte - eine Art fliegendes Maschinengewehr.
Die Fahrgastzelle befand sich unterhalb des Kugelmagazins und war daher sinnvollerweise mit einem Loch versehen, so dass sich das Raumschiff nicht "in den Fuß schießen" konnte.
Auch wenn einen aus heutiger Sicht dieses Konzept zum Schmunzeln bringt, weil Ganswindt seltsamerweise nicht erkannte, dass man mit Gas (also einer Rakete) den gleichen Effekt wie mit seinen Kugeln erzielen kann, so ist dieses Konzept doch viel realistischer als Jules Vernes Mondkanone, die ihre Insassen unweigerlich zerquetscht hätte. Der spätere "Vater der Raumfahrt" Herrmann Oberth zollt daher Ganswindt, dessen Arbeiten er erst 1926 kennenlernte, ehrlichen Respekt als Pionier der Raketentechnik.

www.planetspace.de:

Hermann Ganswindt entwarf den ersten Rückstossantrieb für den Raumflug eines "Weltenfahrzeuges".


"In diesem Jahr ist der Festumzug zum Flugtage besonders schön!" .... "Das kommt daher, daß diesmal so viele historische Modelle zu sehen sind."

Startnummer 1-18:  Jedes Modell wird mit einem Mausklick näher vorgestellt!Startnummer 17: Die Junkers 23/24 aus Dessau, 1923Startnummer 18: Claude Dornier und die DO-X, 1929Startnummer 13: Igo Etrich und die berühmte Rumpler-Taube, 1910.Startnummer 12: Marquis d'Ecquevilly, 1908Startnummer 14: Das Luftschiff LZ4 des Ferdinand Graf von Zeppelin, 1908.Startnummer 16: WER KENNT DIESEN FLUGZEUGTYP (ca. 1918) ?Startnummer 11: Henri und Maurice Farman, 1907.Startnummer 15: Sopwith Triplane / Fokker DR I, 1916-1917Startnummer 5: Das lenkbare Luftschiff des Henry Giffard, 1852.Startnummer 10: Die Orville und Wilbur Wright, 1903.Startnummer 9: Hermann Ganswindt und sein Hubschrauber, 1901.Startnummer 8: Clement Adler, 1890.Startnummer 6: Der Gleitflieger von Otto Lilienthal,1891. Startnummer 4: Berblinger, der Schneider von Ulm, 1811.Startnummer 7: Alexander Moshaiski, 1882.Startnummer 3: Der Gasballon 'Charliere' startete ebenfalls 1783.Startnummer 2: Warmluftballon der Brüder Montgolfier, 1783.Startnummer 1: Der Raketendrachen des Wan Hu, um 1500.

Tipp: Jedes der 18 Modelle wird mit einem Mausklick näher vorgestellt!

Weitere Internet-Links zum Thema: siehe hier!
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