Der lustige Digedon betrachtet dieses Werk aus seiner ganz eigenen Sicht ...
Digedon
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Orlando
Variant-Rezi aus Digedon Nummer 21
147K
 Runkels orientalische Hochzeit
 Februar 1969
Wie ein Fakten-Dschäcker kürzlich ausklügelte, behandelt das paralleldimensionale Heft neuer Prägung mit der Nummer 147 "Runkels orientalische Hochzeit" inhaltlich den einzigen, aber desterwegen nicht minder schäbigen Seitensprung Runkels, den er bei der Zelebration seines Heldenepos im regulären MOSAIK Nummer 148 aus nachvollziehbaren Gründen aussparen musste.

Das Ganze begann damit, dass der etwas saumselige Digedag ein Fässchen Wein verspittelt hatte. Er konnte sich leidlich unscharf daran erinnern, es bei der letzten Rast, etwa einen Monat zuvor vermutlich noch besessen zu haben. Was ihm übrigens später nochmals passierte, das riecht nach Absicht.
Kurzum, Dig und Dag begleiteten ihn wunschgemäß bei der rückwärtigen Suche, damit das edle Stöffchen nicht in falsche Kehlen geriete. Runkel sollte unterdessen im schönen Bagdad ein wenig prokrastinieren und auf die Wiederkehr der drei anonymen Alkis warten. Hiermit beginnt der offizielle und sattsam bekannte Teil der Geschichte: Waffenhändler auf Basar in Bagdad - liebliches Töchterlein vom bösen Zauberer geraubt - Mütze, Schwert und Perser - genüssliche Meuchelung des Flatterdingens -  Alle neune! - Rettung der Verschleppten und finaler Befreiungs-Kuss.
Doch halt! Der ziemlich verzopfte Waffenhöker sah's recht verkniffen: "Angefasst ist angefasst, nun bleibt dir nur die Heirat." Dumm gelaufen, aber was sollt's?!
Zur Ehrenrettung Runkels sei vermorken, er war durch die lange

Abstinenz ordentlich auf Entzug geraten und die Tochter des Waffenhändlers erschien ihm überaus unverachtenswert. Hinzukommend amnesierte Runkel ein wenig und konnte nur noch verschwommene Bilder von Adelaide aus dem Gedächtnis hervorwürgen. Vielleicht hatte ihm auch die Benutzung der Verschwindibus-Kappe den Brägen etwas ausgetrocknet, Nebenwirkungen halt.

Runkels orientalische Hochzeit Variantcover Mosafilm

Runkel fand beim Aufbrechen des Kadavers ein gerade geschlüpftes niedliches Drachenküken im Brutkasten der verblichenen Drachin. Aber weshalb war es lediglich dreiköpfig? Väterchen Drachowitsch hatte wohl bei der Bestäubung geschludert. Aus lauterem Beschützerinstinkt adoptierte Runkel das putzige Reptilchen.

Ein paar Tage nach der Hochzeit sah sich Runkel reumütig veranlasst, die Flitterwochen unplanmäßig und

abrupt zu beenden, weil ihm im Traum eine alte Ritterregel erschienen war:

"Ist der Ritter fehlgetreten, kann er bloß zu Wrunkl beten,
auf dass die Holde ihm vergäbe und mopsfidel er weiterläbe."

Nebenbei fallen gelassen: Runkel grauste es auch vor dem Zeitpunkt, wo ihn der kleine Dreiköpfling nach lieb Mütterchen befragen würde. Auch die Insignien der Muselmänner - Turban und Krummsäbel (despektierlich Räubersichel genannt) - gingen ihm schon lange gehörig aufs Schwein.
In einer nächtlichen Nebelaktion machte sich Runkel unbemerkt aus der Furche und beging Bettflucht. Nicht gerade beste ritterliche Gepflogenheit, aber Adelaide wartete schließlich ebenfalls auf seine Minnedienste. Immerhin ließ er seiner Ex den umfangreichen Goldschatz des Zauberdrachens zurück.

Um seine Entgleisung zu vertuschen, eilte Runkel den Digedags entgegen und empfahl für die weitere Heimreise eine weiträumige Umwanderung von Bagdad. Ob nun auf den Basaren ein runkeliges Kuckuckskind mit dem Deklamieren von Ritterregeln sein täglich Falafel verdient, ist nicht gewiss, aber durchaus möglich. Genauso wars - ich schwör!

Absolut keine Ahnung, wie der bekannte Märchenerzähler Fränki Popänki von der Geschichte Wind bekommen hat, so ein konspirativer Schlingel.
Präsentiert von Mosafilm - mit freundlicher Genehmigung von Roland Kern (Text) und Jan Suski (Variantcover).